Freitag, 31. Juli 2026
Tag 57 - Fur (A)-Fur Havn: Hochzeitstag!
Heute vor 34 Jahren haben wir geheiratet und sind gleich danach als Hochzeitsreise segeln gegangen. Auch viele der weiteren Hochzeitstage haben wir auf dem Boot und auf oder am dem Wasser verbracht und dieses Jahr ist keine Ausnahme. Wir holen den Anker hoch und fahren ein kurzes Stück "um die Ecke" in den Hafen der Insel.Wir sind früh da und es gibt reichlich Platz im Hafen. Nette Menschen nehmen uns die Leinen ab und bringen sogar eine kleine Treppe, damit wir besser aussteigen können. Das Wetter ist sonnig, aber nicht zu warm und wir beschließen, die Fahrräder aufzubauen und zur Feier des Tages schön Kaffeetrinken zu gehen. Es ist tatsächlich ein sehr netter Laden, in dem es neben Kaffee und selbstgemachten Leckereien auch noch Softeis und jede Menge Knuddelkit gibt.Danach fahren wir noch ein Stück weiter und setzen uns auf eine Bank (siehe Titelbild) an einem kleinen Strand mit vielen Muschen und Steinen.Besonders schön finde ich die vielen Heckenrosen, die mich an meine Kindheitssommer auf der Nordseeinsel Juist erinnern.Uns gefällt es hier sehr gut und wir wollen morgen noch einen Tag auf der Insel verbringen und die Stimmung genießen.Wir essen erst ziemlich spät an Bord und schauen zu, wie langsam ein großer Vollmond neben uns aufgeht -- ein passender Abschluss für einen schönen Hochzeitstag.
Donnerstag, 30. Juli 2026
Tag 56 - Løgstør-Fur: Heiß und kalt
Nach einer ruhigen Nacht wachen wir auf zu einem zunächst sehr warmen und windstillen Tag. Wir beschließen, uns den kleinen Ort anzusehen. Im Hafen neben uns rührt sich keine Lüftchen.Es sind einige Menschen unterwegs, aber wenige davon am Strand. Der besteht auch nicht aus Sand, sondern aus Muscheln auf denen es sich nicht gut mit nackten Füßen läuft.Über den Hafen führen verschiedene Brücken und Ralf macht noch eine etwas größere Runde.Danach gehen wir gemeinsam in die "Innenstadt" und sehen unterwegs verschiedene bemalte Muscheln. Løgstør ist die dänische Muschelmetropole und es gibt 12 zertifizierte Zuchtgebiete für Miesmuscheln im Limfjord.Wir finden ein nettes Café und essen dort zwar keine Muscheln sonder frisch zubereitete Sandwiches, die eine junge Dame in Zeitlupe zusammenstellt.Auch hier gibt es große Wandgemälde wie dieses von dem Jungen auf der Möwe, der den Doppelleuchtturm, der am Hafen steht in der Hand hält.Nachmittags setzt dann der vorhergesagte Wind ein und wir machen uns auf den Weg weiter hinein in den Fjord. Hier wird das Gewässer wesentlich breiter mit verschiedenen Inseln.Hier gibt es keine schmale Fahrrinne mehr und wir können mit wenigen Kreuzschlägen eine Ankerbucht im Norden der Insel Fur erreichen. Der Wind hat zugelegt und wir fahren mit einem Reff im Groß. Wir sind froh, dass der Wind uns etwas abkühlt, denn es ist sehr heiß geworden.In der Bucht liegen schon mehrere Boote, aber sie ist groß genug und wir finden noch einen guten Platz. Wir genießen die Ruhe vor Anker und ein gemütliches Abendessen. Mittlerweile ist es empfindlich kalt geworden und ich ziehe eine Jacke über - was für ein Unterschied zu heute morgen! Vor einem schönen Sonnenuntergang zieht Ralf noch die Ankerlaterne hoch (siehe Titelbild).
Mittwoch, 29. Juli 2026
Tag 55 - Aalborg-Løgstør: Im Limfjord nach Westen
Der Limfjord ist eigentlich kein Fjord, sondern ein Sund, denn er ist keine tiefe Bucht, sondern verbindet (seit einer großen Sturmflut 1825) die Nordsee mit dem Kattegatt. Die Triton hat jetzt fast vier Wochen in Aalborg, dem größten Hafen im Limfjord verbracht, während wir daheim waren. Bei unserer Ankunft Anfang Juli und auch in den letzten Tagen hatten wir starken bis sehr starken Westwind und wir haben die Zeit genutzt, um uns das sehenswerte Aalborg anzusehen. Heute ist der Wind zwar immer noch westlich, aber schwächer und wir wollen den Limfjord weiter erkunden.Wir fahren bis kurz hinter die Aggersundbroen (siehe Titelbild) durch ein schmales, teilweise ausgebaggertes Fahrwasser. Wir versuchen es ca. 15 Minuten mit Segeln, aber der Wind kommt zu sehr von Vorne und Kreuzen ist hier nicht möglich.Die Landschaft neben uns ist sehr flach und sandig und eher unspektakulär, aber uns kommen verschiedene Großsegler entgegen, die am "Tall Ship Race" teilnehmen, bei dem Segelschiffe in verschiedenen Größen mit mindesdes 50 % jugendlicher Besatzung verschiedene Häfen (darunter auch Aalborg) anlaufen. Wir werden uns das wahrscheinlich auf dem Rückweg anschauen.Die Brücke wird im Juli halbstündlich geöffnet und wir und ein anderes Segler müssen nur kurz warten, bis wir hindurchfahren können.Der Kollege fährt noch in den vollen Hafen von Løgstør, aber wir finden dort keinen guten Platz mehr und legen uns an eine Kaianlage etwas außerhalb.Heute ist es schön warm und jetzt ist der Wind fast ganz eingeschlafen. Wir haben die Kuchenbude gegen das Sonnendach getauscht und genießen einen ruhigen Abend im Cockpit. Eine wunderbare Abwechslung, denn bisher hat der Wind nur so um Boot gepfiffen.Und dann haben wir auch noch den Logenplatz für einen wunderschönen Sonnenuntergang! Auch morgen soll es warm bleiben und wir wollen uns die eine oder andere Insel anschauen.
Dienstag, 28. Juli 2026
Tag 54 - Aalborg: Von Blumen, Bienen und Bildern
Am Vormittag repariert Ralf das Dinghy, dass in einem Segment langsam Luft verloren hat. Offensichtlich ist es beim Ein- bzw. Auswassern an den Relingstützen hängengeblieben. Nach dem Mittagessen wollen wir dann noch einmal in die Stadt gehen, aber Ralfs Bremsen am Fahrrad funktionieren nicht richtig und es dauert eine Weile bis sie wieder in Ordnung und die Hände sauber sind.Dann fahren wir wieder auf den bekannten Wegen los - es ist nett, dass wir uns jetzt schon etwas in der Stadt auskennen. Wir suchen a) Sonnencreme für Ralf und b) eine Möglichkeit, mein Smartphone um den Hals zu hängen. Wohlgemut fahren wir zum ersten Telefonladen - geschlossen. Der zweite hat so etwas nicht und der dritte nur Apple Geräte und Zubehör... Aber es ist auf jeden Fall eine nette Methode, die Stadt zu erkunden und heute sind wesentlich mehr Menschen unterwegs, als die letzten Tage.Es gibt eine lange Fußgängerzone, durch die wir gestern abend noch alleine mit dem Fahrrad gefahren sind......und daneben auch sehr hübsche kleine Stäßchen mit bunten Häusern und den allgegenwärtigen Stockrosen.Diese sind ein absolutes Paradies für Hummeln, die begeistert von einer zur anderen Blüte fliegen und über und über mit Pollen gepudert sind.Wir kaufen in zwei verschiedenen Geschäften Sonnencreme und bekommen im vierten Handy-Laden den entscheidenden Tipp: etwas versteckt soll es ein Einkaufszentrum geben, in dem es einen Geschäft nur für Handyhüllen gibt - und wir finden dort tatsächlich eine Lösung. Ganz in der Nähe bekommt Ralf auch noch seinen Cappuccino aus einer Porzellan-Tasse. Erfolg auf der ganzen Linie!Nun können wir uns mit unserem nächsten "StoryHunt" Abenteuer beschäftigen. Im Jahr 2014 startete die Galeristin Lene Kirk das Street-Art-Projekt "Out in the Open", das Kunst in Form von großen Wandgemälden im wahrsten Sinne es Wortes auf die Straße bringt. Mittlerweile gibt es über 80 Gemälde und wir sehen einige davon auf unserem Spaziergang durch die Stadt. Damit ein Gemälde entstehen kann, muss zunächst eine geeignete Wand gefunden werden und die Genehmigung des Eigentümers eingeholt werden. Dann werden Sponsoren für Farbe, Gerüst und die Bezahlung einens möglichst renommierten Künstlers gesucht. Die Bilder sind sehr unterschiedlich, aber alle auf ihre Art eindruckvoll.Die App führt uns in Stadtteile und teilweise sogar in Hinterhöfe, in die wir ohne sie nie gekommen wären.Es ist eine sehr gute Idee, so aus langweiligen oder sogar hässlichen Wänden ungewöhnliche Kunstwerke zu schaffen (siehe auch Titelbild).Eines der interessantesten Bilder finde ich "Bird with bite" von Don John, einem dänischen Künstler, der es vorzieht, anonym zu bleiben. Die Vorlage für dieses Bild ist ein Linoldruck.Mittlerweile hat es begonnen zu regnen und wir gehen noch eine Runde einkaufen und fahren dann wieder zurück zum Boot. Wir werden weiter die Augen nach den Wandbildern offenhalten, denn in den vergangenen Tagen haben wir nur einen Bruchteil der Bilder gesehen. Es gibt noch einen Dusche, leckeres Abendessen und dann ist es schon wieder Zeit für mich zum Spülen und Bloggen, während Ralf im Cockpit den Tag ausklingen lässt.
Montag, 27. Juli 2026
Tag 53 - Aalborg: Sydney, Roboter, Lego und eine Storyhunt
Aalborg ist die viertgrößte Stadt Dänemarks (nach Kopenhagen, Aarhus und Odense) und hat wirklich einiges zu bieten. Wir besuchen heute als erstes das Utzon Center, benannt und entworfen von dem dem aus Aalborg stammenden Architekten Jørn Utzon (1918-2008). Er wurde vor allem durch den Entwurf und Bau des Opernhauses in Syndey mit den an Muscheln oder Segel erinnernden Dächern bekannt. Als junger und unbekannter Architekt hatte er entsprechenden Wettbewerb unter mehr als 200 Einsendungen gewonnen.In einer Ausstellung werden Modelle gezeigt und es wird erklärt, wie die Dächer alle mit Segmenten aus der Oberfläche einer Kugel mit gleichem Radius gebaut werden konnten. Vor der Fertigstellung der Inneneinrichtung wechselte die Regierung in Australien und es kam zu einem Streit mit Utzon über die Kosten in dessen Verlauf Utzon der Projekt verließ. Heute ist das Opernaus UNESCO Weltkulturerbe.Die Sonderausstellung "I'm not a robot" beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. Wie beeinflussen Roboter die Art und Weise, wie wir bauen, denken und leben? Und was bedeutet es für uns Menschen, wenn eine Maschine selbstständig lernen und erschaffen kann? Es geht um die "Drei gesetzte der Robotik von Isaak Asimov", um erste Lochkarten für Muster in Webstühlen, um Roboter für Kinder und in Filmen und vor allem um die Frage, was Roboter (und künstliche Intelligenz) eigentlich für uns tun sollen.Und dann gibt es noch "Blocky City", einen sehr großen Raum, in dem mit Legosteinen gebaut werden darf. Und zwar zunächst ganz klassisch einfach mit weißen Steinen in verschiedenen Grundformen (und nicht 3D-Puzzle mit Anleitung wie jetzt üblich). Die Werke können dann eingescannt und virtuell mit dem Programm "Minecraft" weiter bearbeitet werden. Es gibt wirklich beeindruckende riesige Kontruktionen und wir fragen uns, wie oft und wie lange die Erbauer hier im Center waren....Wir wollen natürlich auch mitmachen und bauen zwei nicht ganz so große und ambitionierte Modelle:Nun ist es Zeit für Ralfs Kaffee geworden, den wir heute in einer queeren Buchhandlung einnehmen - sehr nett. Mir gefällte ganz besonders die Regenbogenvase rechts.Um Aalborg noch etwas besser kennenzulernen, haben wir uns die App "StoryHunt" heruntergeladen, die Audio-Stadtführungen anbietet. Wir besuchen heute die zehn "Höhepunkte von Aalborg". Nr. 1 ist gleich das Utzon Center mit seiner ungewöhnlichen Dachform (links und unten rechts) und als nächstes das "Haus der Musik" (oben rechts).Das nächste Objekt ist "Nordstrom", ein ehemaliges Kraftwerk, das jetzt zum Kultur- und Sportzentrum umgebaut worden ist. Innen sind noch die Originalwände und Teile der Einrichtung zu sehen kombiniert mit ungewöhnlichen Lampen und neuen Geschäften.Eine Gedenktafel am nächsten Stopp erinnert an den Widerstand gegen die deutsche Besetzung. Gleich um die Ecke sind wieder zwei Murals (große Wandgemälde) zu sehen. Das Bild mit dem Pflanzenkopf stammt vom chilenischen Künster Inti, das "blaue" Bild von Oliver Vernon aus Brooklyn. Die sechste Station ist die Kirche "Unserer Lieben Frau" in der Altstadt und es wird die Geschichte einer Hexenverbrennung erzählt.Gleich hinter der Kirche geht es nach "Hjelmerstald", eine der ältesten Straßen Aalborgs. Hier stehen eng nebeneinander kleine bunte Häuser mit blühenen Stockrosen davor.Wir betreten einen Innenhof, in dem die Familie Lange ihre Werkstatt hat und ein einem kleinen Skulpturengarten ihre Keramikkunst zeigt (siehe auch Titelbild).Wir werfen noch einen Blick auf die Budolfi-Kirche, die gerade renoviert wird und sich hinter einer Plane versteckt und auf das alte Postamt (jetzt Sparkasse) mit seinem sechseckigen Turm, der im Staatsdienst stehende Brieftauben beherrbergte (siehe die jeweils neuen Taubenlöcher).Dann schauen wir uns noch das prächtige Haus des (damals neureichen) Kaufmanns Jens Bang von 1624 an und beenden die Führung im Schloss Aalborghus, das mehr wie ein nettes Fachwerkhaus als wie ein Schloss aussieht.Wieder ein sehr abwechslungsreicher Tag in Aalborg mit vielen unterschiedlichen Eindrücken aus verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte und mit Fragen an die Zukunft. Auf dem Rückweg erledigen wir noch einige Einkäufe und bewundern den Himmel über dem Limfjord.
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