Seiten

Samstag, 21. Juli 2018

Tag 382 - New York-Port Washington: Durchs Höllentor

Manhattan ist eine Insel, die im Westen vom Hudson River, im Nordosten vom Harlem River und im Osten vom East River begrenzt wird. Wir wollen heute durch den East River in den Long Island Sound fahren. Der East River ist sehr schmal und durch die Gezeiten entstehen bis zu 5 Knoten Strömung – das ist ungefähr so schnell wie die TRITON fahren kann. Damit wir die Strömung zu unserem Vorteil nutzen können, ist die richtige Zeitplanung von entscheidender Bedeutung. Ich habe 11:30 als Abfahrtszeit berechnet und weil Ralf und Paul erst um 11:00 Uhr vom Einkaufen zurück sind, schaffen wir es nicht mehr, Leonies Schwimmweste herauszusuchen… Wir fahren trotzdem los und werfen einen letzten Blick auf die Skyline.
Tatsächlich erwischen wir die richtige Strömung und sind flott unterwegs. Es ist eine sehr interessante Fahrt, denn so erleben wir noch einmal die verschiedenen Stadtteile vom Wasser aus. Auf dem Wasser und auch in der Luft ist einiges los. Über und fliegen Wasserflugzeuge und direkt neben uns landen verschiedene Hubschrauber.
Paul ist am Steuer und macht seine Sache sehr gut. Zunächst fahren wir unter Motor und bei strahlender Sonne – eine schöne Tour!
Befreundete Segler haben uns berichtet, dass manchmal der ganze East River gesperrt wird. Direkt am Wasser liegt das UNO-Hauptquartier und wenn dort Tagung ist, gibt es verschiedene Sicherheitszonen. Heute können wir problemlos vorbeifahren.
Wir müssen durch „Hell Gate“, das Höllentor, eine Stelle an der die Strömung ganz besonders stark ist, so dass sich unangenehme Wirbel und Wellen bilden (siehe Bild ganz oben). Aber auch hier klappt das Timing und wir sausen teilweise mit über 9 Knoten Fahrt über Grund.

Über den East River führen diverse Brücken, einige davon haben wir ja schon mit dem Fahrrad überquert. Alle sind hoch genug für unseren Mast und wir fahren durch die Brooklyn Bride, die Manhattan Bridge, die Williamsburg Bridge, die Quennsboro Bridge, die Robert F. Kennedy Brigt und die Hell Gate Bridge, die Whitestone Bridge (nicht im Bild) und schließlich durch die Trogs Neck Bridge, die den East River vom Long Island Sound trennt.
Zwischendurch kommen wir noch am La Guardia Flughafen vor bei und die Flugzeuge fliegen beim Landen so dicht über uns, dass wir unwillkürlich den Kopf einziehen…
Nun können wir auch die Segel aktivieren und es ist sehr nett, Leonie und Paul dabei zu haben, denn Paul steuert den ganzen Tag und Leonie gibt alles an der Winsch (und wir machen einige Wenden und rollen das Segel mehrmals aus und ein).
Wie wir so nett dahinsegeln sehe ich plötzlich, dass von hinten ein kleines Boot mit Blaulicht auf uns zukommt: die Coast Guard! Sie sprechen uns über Funk an und wollen zur Inspektion an Bord kommen. Das Boot kommt neben uns und zwei Beamte steigen zu uns herüber. Während ich mit einem sehr netten Herrn den Papierkram erledige, will seine Kollegin die Bilge, den Motorraum, die Toilette und die Schwimmwesten sehen. Nun rächt es sich, dass wir heute Morgen die Schwimmweste für Leonie nicht herausgesucht haben, aber nach Ausräumen der gesamten Backskiste und des Vorschiffs finden wir das Teil endlich.
Sonst ist alles in Ordnung mit Cruising Permit und Pässen und wir unterhalten uns sehr nett mit dem Beiden. Später sehen wir, dass es auch noch ein Mutterschiff gibt und da dort viele junge Leute an Bord sind, vermuten wir, dass es sich um eine Ausbildungsmission gehandelt hat. Wir haben jedenfalls jetzt einen „Report of Boarding“ mit dem Ergebnis „No violation“.
Vor Port Washington gibt es ein großes Mooringfeld und für 48 Stunden dürfen wir hier eine Mooring kostenlos nutzen. Leonie und Paul probieren aus, wie kalt das Wasser ist und nehmen dann eine Dusche auf der Badeplattform.
Danach sitzen wir gemütlich im Cockpit aus plötzlich eine Stimme „Cosima“ ruft. Es ist Feng von der WILDERNESS, die wir letzten September beim Wäschewaschen in Lissabon getroffen haben und nun liegen sie hier direkt neben uns! Nach dem Abendessen kommt sie und ihr Mann Charles noch zum Schwätzen herüber. Sie sind im Januar mit Jimmy Cornell über den Atlantik gekommen und jetzt bis November hier im Norden unterwegs. Wir hoffen, dass wir uns nochmal treffen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.