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Dienstag, 28. Juni 2022

Tag 44 - Le Verdon-sur-Mer - Griesheim: Halbzeitpause

Um 6:15 Uhr ist unser Taxi bestellt und so verabschieden wir uns in der Morgendämmerung für die nächsten Wochen von unserer lieben Triton.
Wir müssen um den ganzen Hafen laufen und neben uns sind schon die ersten Boote unterwegs. Das Bild ist nicht bearbeitet, es war wirklich so ein schöner Himmel!
Tatsächlich kommt dann unser Taxi angesaust und bringt uns zu einem kleinen, verlassenen Gebäude - es sind keine anderen Menschen zu sehen und die Stimmung ist so wie in einer verlassenen Dorf in einem Western...
Zwischen den Gleisen und auf dem unbefestigten, menschenleeren Bahnsteig wächst Unkraut, aber dort steht auch ein einsamer Zug mit der Aufschrift "Bordeaux", so dass wir einsteigen (siehe Titelbild). Tatsächlich kommt dann auch noch der Schaffner und es geht los, vorbei an Weiden mit Kühen und an flachen Moorlandschaften.
Dann beginnt das größte zusammenhängende Weinbaugebiet der Welt, in dem die Trauben für die berühmten Bordeaux-Weine wachsen. Wir sehen viele Felder - für uns vom Rhein kommend ungewohnt flach - mit endlosen, schnurgeraden Reihen von Weinstöcken und dazwischen das eine oder andere der 3000 Châteaus (Weingüter).
Nach und nach steigen auch mehr Menschen in den Zug und bis wir in Bordeaux ankommen, ist er richtig voll geworden. Für die rund 100 km haben wir knapp zwei Stunden gebraucht. Etwa 20 Minuten länger benötigt der schnelle TGV dann für die 600 km von Bordeaux nach Paris.
In meinem Plan steht als Umsteigezeit in Paris was von 50 Minuten und ich habe nicht noch einmal nachgerechnet, dass es von 11:54 bis 13:08 nicht nur 50 sondern 74 Minuten sind (keine Ahnung, was die Bahn sich bei der Angabe gedacht hat). Jedenfalls werde ich nervös, als angezeigt wird, dass unser Zug Verspätung hat und Google Maps berechnet, dass wegen des Verkehrsaufkommens mehr als 30 Minuten mit dem Taxi für die Strecke vom Bahnhof Montparnasse bis zum Bahnhof Paris-Ost benötigt werden... Das wird knapp!

Die Metro fährt nur 15 Minuten und daher besorgen wir gleich im Zugrestaurant U-Bahn Karten und folgen dann im Bahnhof den Hinweisschildern Richtung Metro Nr. 4... es geht tiefer und tiefer in den Untergrund und dann scheinbar endlose Gänge entlang. Zur Abwechslung zwischendurch immer mal wieder Treppen hinauf und hinunter. Ralf hat Jans großen, schweren und sperrigen Alu-Koffer dabei und ich kämpfe mit einer Rolltasche mit unseren Sachen während in meinem Kopf eine Uhr 45 Minuten rückwärts zählt... Erst als wir nach einer gefühlten Ewigkeit in der Metro sitzen und ich zwischen zusammengebissenen Zähnen nur noch "Nie wieder!" murmele, fällt mir dann auf dass der Zug erst um 13:08 Uhr fährt und wir uns entspannen können.

Der Rest der Fahrt verläuft dann ohne weitere besondere Vorkommnisse. In Frankfurt müssen wir noch einmal den Zug wechseln und haben dann in der Regionalbahn nach Darmstadt mehr Verspätung als in der ganzen anderen Strecke von Le Verdon bis Frankfurt. Dafür unterhalten wir uns nett mit anderen Mitreisenden.
Wir werden von Ralfs Mutter am Bahnhof abgeholt und sind nach ziemlich genau 12 Stunden sicher und gut daheim gelandet. Nun haben wir hier einiges zu erledigen, bevor wir hoffentlich am 13.07.22 wieder Richtung Frankreich aufbrechen können.

Montag, 27. Juni 2022

Tag 43 - Le Verdon-sur-Mer: Packen, Putzen und Radfahren

Das erste Bild habe ich heute Nachmittag um 17:00 Uhr gemacht, denn bis dahin waren wir mit Arbeiten auf dem Boot beschäftigt. Da war zunächst der Kampf, das mittlerweile getrocknete Beiboot in seine Tasche und an Bord zu bekommen. Wir haben Kleidung, Bücher, Technik gesichtet, aussortiert und verpackt. Und da ist ja auch noch Jans riesiger Alukoffer, den er nicht mit auf den Jakobsweg genommen hat und der jetzt mit nach Hause soll.. Dann noch das ganze Boot putzen, insbesondere Küche und Bad. Bei der Gelegenheit hat Ralf auch noch eine neues Ventil in die Toilette eingebaut. Am späten Nachmittag sind wir noch eine Runde Rad gefahren - so mit blauem Himmel und Sonne sieht die  Gironde noch viel besser aus.
Wir fahren ein kurzes Stück nach Norden zum nächsten kleinen Hafen Port Bloc (siehe Titelbild) und schwenken dann auf den Radweg "Vélodyssée" ein, der den französichen Teil der "Atlantic Coast Route" bildet.
Statt 11.000 km von Nordnorwegen bis nach Portugal fahren wir jedoch nur ca. 5 km auf einem sehr gut ausgebauten Weg durch einen wunderbaren Wald bis wir zu einem der langen Atlantikstrände kommen, die die Landschaft hier prägen.
Ich bleibe oben auf den hohen Dünen und beobachte, wie Ralf fast von einer sich brechenden Welle erwischt wird.
Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass die Geschäfte bald schließen und wir brauchen Brot als Proviant für die Rückfahrt morgen. Also fahren wir schnell zurück nach Le Verdon, wo wir gerade noch die letzten Reste ergattern können. Nun brauchen wir eine Möglichkeit für unser Abschlussessen, denn die frisch geputzte Küche auf der Triton wollen wir nicht mehr benutzen. Bei uns am Hafen sind die Restaurants abends geschlossen und auch in Port Bloc war nichts los. Wir fahren ein gut besprochenes Lokal in der Nähe an: absolut tote Hose - aber die Aussicht ist sehr nett.
Schließlich finden wir eine sehr kleine Pizzeria, die offen hat und in deren Steinofen ein munteres Feuer brennt. Auf Nachfragen bekommen wir sogar einen Tisch und zwei Stühle auf die Veranda gestellt.
Auch die Pizza ist ganz ausgezeichnet und bildet so einen passenden Abschluss für die sehr schöne Zeit, die wir bisher hier in Frankreich hatten. 
Zusammen mit Jan war es prima aber auch zu zweit verstehen wir uns und sind ein gutes Team. Wir sind alle Strecken zumindest teilweise gesegelt und die Manöver und die Navigation haben gut geklappt. Wir haben viel gesehen, gut gegessen, nette Leute getroffen... Es fällt mir schwer zu entscheiden, wo es am schönsten war - wir haben so unterschiedliche Orte besucht und jeder hat seinen eigenen Reiz.

Sonntag, 26. Juni 2022

Tag 42 - Le Verdon-sur-Mer: Wäsche, Strand & Dungeons

Die Triton wird einen ganze Weile hier liegen bleiben und so ist einiges vorzubereiten und in Ordnung zu bringen. Als Erstes starten wir die Waschmaschine, denn es gibt nur ein Gerät und wir haben zwei Ladungen, die dann ja auch noch in den Trockner sollen. Während sich die Trommel dreht wird das Beiboot abgewaschen, damit es später zusammengelegt werden kann.
Derweil räume ich im Schiff und entferne alles aus dem Cockpit, damit auch das sauber gemacht werden kann. Der nächste Punkt auf der Liste ist für mich das Ausdrucken der Fahrkarten. Wir haben vor Jahren einen Drucker gekauft und sind jedes mal wieder verblüfft, dass er bei seinen seltenen Einsätzen immer hervorragend funktioniert. Die Testseite kommt einwandfrei aber ich brauche eine Weile, um ihn zu überzeugen, PDF-Dokumente zu drucken. Die Betten sind übrigens gerade zum Trocknen umgedreht, während die Laken in der Wäsche sind, daher die gelben Poster.
Da diese Arbeiten alle gut geklappt haben, macht Ralf noch eine Fahrradtour nach Soulac-sur-Mer (die folgenden Bilder sind von Ralf).
Die Stadt hat auch ein hübsches Rathaus mit sehr gepflegter Bepflanzung:
Anders als unser Hafen liegt die Stadt nicht am Fluss Gironde sondern direkt am Meer mit einem sehenswerten Atlantik-Strand.
Hier ist ein Stück im Meer besonders gesichert - es ist ganz klar, ob das zum Schwimmen oder als Schutz vor Erosion gebaut wurde oder ob es noch Überreste der Befestigungen aus dem 2. Weltkrieg sind.
Sicher ist jedenfalls, dass die Bunker von den Deutschen im Rahmen des Atlantikwalls errichtet wurden.
Schutz vor Erosion soll auf jeden Fall auch die Bepflanzung der Dünen mit zahlreichen Seekiefern bieten.
Während Ralf seine Tour an der Küste macht, bin ich als Ranger in der virtuellen Welt von Dungeons & Dragons unterwegs - auch ein spannender Ausflug, bei dem sich im Sand allerdings eine große Schlange versteckt hat. Gemeinsam mit meinen drei Begleitern gelingt es jedoch, das Ungetüm zu überwinden! Zurück im Real Life versuche ich dann noch so viele frische Lebensmittel wie möglich für ein Abendessen zu verwenden. Nun warten noch zwei große Beutel Wäsche auf meine Aufmerksamkeit.

Samstag, 25. Juni 2022

Tag 41 - Ansteuerung Gironde - Port Medoc: Typ-2-Spaß

Gestern um 23:00 Uhr haben wir begonnen die Mündung der Gironde anzusteuern - bei WSW-Wind Stärke 5-6, Wellen von ca. 2,30 m Höhe und ohne sichtbaren Mond. Das Fahrwasser ist gut betonnt und alle Tonnen sind beleuchtet, so dass wir sie auch in der Dunkelheit gut finden können. Wir haben nur wenig Segelfläche (Groß 3x und Fock 4x gerefft) und lassen die Maschine mitlaufen, damit wir im Notfall schnell reagieren können. Wind und Wellen kommen zunächst ziemlich genau von hinten und wir verschließen den Niedergang mit den Steckschotten und gurten uns im Cockpit an - auch nur zur Sicherheit, falls eine Welle von hinten einsteigt. Unser Timing ist gut, denn wir haben keinen Gegenstrom durch Fluss und Ebbe, sondern die Flut beginnt, uns in die richtige Richtung zu schieben. Die Wellen heben uns hoch und dann surft die Triton den Wellenberg hinunter, wird im Tal kurz abgebremst und dann geht die Achterbahnfahrt von vorne los. Ich bin ganz froh, dass es dunkel ist und ich die Wellen nicht sehen kann, nur ab und zu brechen sich weiße Schaumkronen neben uns.
Nach dem ersten graden Stück nach Nordosten können wir langsam einen Bogen fahren und ohne Maschine nur unter Segeln die Fahrt fortsetzen. Der Flutstrom schiebt uns noch mehr, der Wind lässt etwas nach und die Wellen werden kleiner. Wir sind immer noch aufmerksam, versuchen "unsere" Tonnen unter den vielen Lichtern zu identifizieren und achten auf eventuellen Schiffsverkehr (tatsächlich ist ein Baggerschiff unterwegs), aber langsam lässt die Anspannung etwas nach. Es dauert nicht mehr lange und wir können sicher in Port Medoc festmachen.

Ich habe gerade "The Fun Scale" (Die Spaß-Skala) kennengelernt, die meinen Spruch "Entweder es ist ein schönes Erlebnis oder eine gute Geschichte" noch etwas differenziert. Die Skala kommt aus dem Outdoor-Bereich und unterscheidet Typ-1-Spaß: eine Tätigkeit, die Spaß macht, während man sie ausübt und wenn man sich daran erinnert. Typ-2-Spaß ist während der Ausübung nicht wirklich lustig oder sogar unangenehm, aber im Nachhinein sehr befriedigend (Gipfelerfahrung). Typ-3-Spaß macht weder währenddessen noch in der Erinnerung Spaß, ist aber eine gute Geschichte...

Sich 13 Stunden lang von den Wellen hin und her schütteln zu lassen und bei Nacht und Starkwind in die Gironde einzulaufen ist - wenn es wie heute bei uns alles gut klappt - ein klarer Fall von Typ-2-Spaß. Währenddessen eher ungemütlich aber sehr befriedigend, wenn es geschafft ist! Bis wir im Bett sind ist es 3:00 Uhr morgens und dann schlafen wir erst einmal aus.

Es ist immer interessant, in einem Hafen aufzuwachen, den wir im Dunkeln angelaufen haben. Als wir den Kopf aus der Luke stecken, ist es grau und windstill. Später beginnt es dann auch noch zu regnen.

Trotzdem bauen wir nach dem Mittagessen (das wir sehr kurz nach dem Aufstehen eingenommen haben) unsere Fahrräder auf. In den letzten Wochen hatten wir fast nur sonnige Tage, aber heute kommt das Regencape zum Einsatz. Gleich der erste Weg führt zu USHiP, einem Schiffsausrüster, direkt am Hafen, wo wir eine neue Winschkurbel erwerben (die alte ist heute Nacht über Bord gesprungen) und einen neuen Herd bestellen (das Modell von 1984 schwächelt langsam).
Dann suchen wir uns noch einen Café - mit Sonnenschein bestimmt sehr nett, aber heute bei Nieselregen eher verlassen und feucht...
Auf dem Rückweg machen wir noch einen Einkehrschwung in den Supermarkt, weil die Brotsituation an Bord unbefriedigend ist. Sonst brauchen wir nicht mehr viel, weil wir am Dienstag für eine Halbzeitpause zurück nach Deutschland fahren werden. Jetzt vom Hafen aus sieht die Gironde ganz ruhig und friedlich aus (siehe Titelbild). Auch der Regen verzieht sich langsam und am Abend schaut die Sonne schon wieder durch die Wolken. Insgesamt sind wir sehr froh, dass wir gestern gesegelt sind und nicht heute im Regen motoren mussten!

Freitag, 24. Juni 2022

Tag 40 - Les Sables d'Olonne - Ansteuerung Gironde: Ein Job für Sir Henry

Geplant ist, früh loszufahren, um mit ausreichend Wasser einen Hafen auf der Insel Oleron anlaufen zu können. Das soll dann der Zwischenstopp für unseren Zielhafen Port Medoc in der Gironde-Mündung sein. Vor dem Auslaufen schauen wir noch einmal auf den Wetterbericht: heute kräftiger Wind, aber in den nächsten Tage eher tote Hose. Da wir keine Lust haben, 50 sm zu motoren (schließlich haben wir Segeln gebucht), entscheiden wir spontan, direkt nach Port Medoc durchzufahren. Nun geht es um die richtige Zeitplanung, denn bei auflandigem West-Südwest Wind muss die Einfahrt gut überlegt werden. Durch die Strömung der Gironde läuft der Ebbstrom länger aus der Mündung, bzw. der Flutstrom, den wir nutzen wollen, beginnt später. Unser sehr guter englischer Revierführer (Nick Chavasse: Atlantic France, Imray) liefert dann die entscheidende Information: Vier Stunden vor Hochwasser in Concarneau beginnt der Strom nach innen. Ein Blick auf den Tidenkalender zeigt: HW ist dort nachts um 3:00 Uhr, also dürfen wir frühestens um 23:00 Uhr an der Ansteuerung zur Gironde sein. Bis dahin sind es 58 sm, also ca. 10 Stunden, also Abfahrt erst um 13:00 Uhr - wir legen uns nochmal ins Bett.
Frohgemut fahren wir dann bei strahlendem Sonnenschein pünktlich los und binden beim Segelhochziehen gleich das erste Reff ins Groß, denn es soll kräftigen Wind und Schauerböen geben. Ich schreibe den aktualisierten Wetterbericht ins Logbuch - puh, da wurde die Windstärke und insbesondere die Wellenhöhe nochmal nach oben korrigiert... Grundwindstärke 5 in Böen 6 Beaufort...
Wir überlegen überlegen kurz, sind uns dann aber schnell einig, dass wir weiterfahren wollen. Schon bald stellt sich heraus, dass wir ein für die Triton ungewöhnliches Problem haben: wir sind zu schnell! Also reffen wir das Groß 3x, die Fock sogar 4x, was das Boot jedoch nicht davon abhält, immer noch schnell unterwegs zu sein...
Wir fahren am Wind, aber mit einem leichten Schrick in den Schoten und  können damit den Kurs gut halten und sogar etwas Höhe machen. Das Boot liegt auf dem Ohr und unter Deck muss alles gut gesichert werden. Auch das Leben auf der schiefen Ebene wird langsam und unbequem. Aber die Triton ist in ihrem Element. Der spitze Bug setzt weich und ohne zu Schlagen in die großen Wellen ein und der lange Kiel, der Hafenmanöver umständlich macht, sorgt für stabile Fahrt geradeaus. Wir sitzen relativ trocken und sehr gut geschützt durch Dach und Scheibe im hohen Mittelcockpit. Neben uns zieht sich der Himmel langsam zu und dunkle Wolken kommen auf.
Für die Bedingungen ideal ist auch unsere Wind-Selbststeueranlage, Sir Henry, der heute wieder ausgezeichnete Arbeit leistet. Ohne Klagen oder Ermüdungserscheinungen steuert er die Triton auf einem vorgegebenen Winkel zum Wind durch die Wellen (siehe Titelbild). Das ist besonders gut bei Schauerböen, von denen wir unterwegs einige haben und die den Wind um bis zu 50 Grad drehen. So machen wir keine ungewollten Segelmanöver und können entscheiden, ob und wie wir den Kurs halten oder Bö ausfahren wollen. Unter uns rollen immer wieder große Wellen hindurch und ab und an spritzt eine über das Deck.
Gerade bei den heftigen Schauerböen waren wir froh, nur eine so kleine Segelfläche zu haben. Ralf musste nicht nach vorne zum Mast, um ein weiteres Reff einzubinden. Es war auch genau die richtige Besegelung, um die Ansteuerung der Gironde genau pünktlich um 23:00 Uhr zu erreichen. Nun wird sich zeigen, ob unsere Planungen stimmen und wir einigermaßen gut die letzten 20 sm bis zum Hafen fahren können. Die Bedingungen mit starkem WSW Wind, Wellenhöhe von 2,3 m und einer Nacht ohne sichtbaren Mond sind nicht ideal... Aber wenn wir richtig gerechnet haben, sollte es jedenfalls keine Wind gegen Strom Situation geben und es sollte schon etwas Wasser über den Untiefen rechts und links der Fahrrinne stehen, so dass sich die Wellen dort nicht so stark brechen.

Donnerstag, 23. Juni 2022

Tag 39 - Les Sables d'Olonnes: Vendée Arctique

Die "Vendée Arctique" ist ein nonstop Einhand-Rennen, das mit Booten der IMOCA-Klasse ausgetragen wird (Einrumpf-Boote mit einer Länge von 60 Fuß = ca. 18 m). Es ist eines der fünf Qualifizierungsrennen für die "Vendée Globe" 2024, ein alle vier Jahre stattfindendes Einhand-Rennen um die Welt. Ursprünglich sollten die hier am 12. Juni gestarteten Boote Island umrunden und dann hierher zurück segeln. Aufgrund ungünstigen Wetters wurde das Rennen dann aber östlich von Island beendet und so gibt es keinen spannenden Zieleinlauf. Wir können allerdings die Boote bewundern, die ab 11:00 Uhr (dann ist genug Wasser für 4,50 m Tiefgang im Kanal) in den Hafen einlaufen. Tatsächlich sind auch einige Zuschauer gekommen als der Sieger, Charlie Dalin mit APIVIA, ankommt (siehe auch Titelbild).
Wir schauen uns auch noch die Einfahrt des Zweiten (Jérémie Beyou mit CHARAL)...
... und des Dritten (Thomas Ruyant mit LINKEDOUT) an...
...bevor wir noch auf den kleinen Markt (drei neue Oberteile für mich) und in die Markthallen (Brie und Aprikosen) gehen. Ganz in der Nähe entdecken wir ein kleines Restaurant (Le P'tit Phare), das sehr nett aussieht und beschließen spontan, dort essen zu gehen.
Wir sitzen ganz wunderbar im Schatten unter großen Bäumen, umgeben von blühenden Stockrosen und auch das Essen ist ganz ausgezeichnet und nicht sehr teuer. Wir essen jeweils Menü mit Sommersalat bzw. Mousse aus weißen Bohnen mit Lachs als Vorspeise, Fisch des Tages bzw. Fleisch als Hauptgang und Zitronenmuffin als Dessert - alles köstlich!
Nachmittags wird es dann kühler und bewölkt mit ein paar Regentropfen, was uns aber natürlich nicht davon abhält, die Rennboote noch genauer anzusehen. Die Klasse gibt es seit 1992 und die Klassenregeln schreiben Maximalmaße (Länge, Breite, Tiefgang, Masthöhe) vor, innerhalb derer sich die Konstrukteure der Boote ausleben können. Seit 2015 werden seitliche "Flügel" (Foils) verwendet, auf denen sich die Boote bei den richtigen Wind- und Wellenverhältnissen aus dem Wasser heben können. Die Boote sind sehr stabil gebaut, da sie den südlichen Ozeanen standhalten müssen und auch ältere Modelle (ohne Foils) sind durchaus konkurrenzfähig. Hier ein paar Beispiele der unterschiedlichen Bugformen - rund, eckig, gerade, abgeschrägt, flach, spitz, alles ist dabei:
Hier können wir die APIVIA nun von ganz nah bewundern - sie hat einen ziemlich breiten Hintern mit einem - zum Schutz des Skippers - komplett verkleideten Cockpit.
Die Boote mit Foils können nur schräg am Steg liegen und im Fall von APIVIA muss das Foil noch mit Warnband gesichert werden...
Auf der HUBLOT wechselt die Land-Crew gerade das Großsegel - wir vermuten, damit das teure Rennsegel für die Reise zum Heimathafen geschont wird. Die Boote werden von Sponsoren finanziert und lustigerweise trägt das alte Segel den Namen HUGO BOSS, der früher Sponsor des Bootes war und der jetzt kostenlos Aufmerksamkeit bekommt.
Auch auf einigen der anderen Boote wird gewerkelt, immer interessant das anzuschauen. Es sieht aber so aus, dass diese Boote die harten Wetterbedingungen recht unbeschadet überstanden haben. Alles an Bord ist erstaunlich einfach und übersichtlich gestaltet - wahrscheinlich, damit es mit Bordmitteln während der Langstrecken im Notfall gut repariert werden kann. Das Großsegel auf der HUBLOT funktioniert genauso mit kugelgelagerten Rutschern und Lazies wie unser Groß auf der Triton und auch hier muss jemand in den Mast um die Lazies einzfädeln.
Wir sind sehr froh, dass wir hier geblieben sind, um das Spektakel zu erleben. So viele IMOCAS an einem Ort können nur hier besichtigt werden und es ist schön, es so hautnah zu erleben. Wirklich eine große Leistung, alleine, nonstop und ohne Hilfe von außen die Welt rund um die großen Kaps zu besegeln - Respekt! Hier liegen die Boote jetzt friedlich im goldenen Abendlicht, nur ca. 25 m Luftlinie von der Triton entfernt.
Während ich hier schreibe, sind noch weitere Teilnehmer angekommen, jetzt, nach 23:00 Uhr, ist wieder genug Wasser im Kanal und so können sie endlich im Hafen festmachen.