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Sonntag, 31. Dezember 2017

Zusammenfassung: Dezember (ab 11.12.)

Statistik

Seemeilen: 104                    
Motorstunden: 8 (Überwiegend Laden der Batterien)                                    
Segeltage: 4           
Nächte auf See: 1                        
Liegetage: 17                                    
Häfen/Ankerplätze: 3           
Karibik: Bridgetown, Carlisle Bay (Barbados), Rodney Bay Marina (St. Lucia)

Segeln und Wetter

Ein Blick in den Wetterbericht bietet hier in der Ostkaribik selten Überraschungen. Wir haben gar nicht mehr nachgesehen, denn typischerweise ist es warm (tagsüber oft > 30°C, nachts nicht unter 25°C) und sonnig und der Nordost-Passat bläst mit 5 Windstärken. Je nachdem ob wir in der geschützten Marina oder offen am Ankerplatz liegen, bekommen wir vom Wind mehr oder weniger mit. Dazwischen gibt es auch immer mal wieder einen kurzen Regenschauer, meist nicht länger als 5 oder 10 Minuten.

Das Wasser ist ca. 26°C warm und das Schwimmen macht Spaß und ist erfrischend. Wir haben uns an die Hitze gewöhnt und versuchen, anstrengende Aktivitäten in die Morgen- oder Abendstunden zu legen. Es ist ungefähr 12 Stunden hell (von 6:00 Uhr bis 18:00 Uhr) mit nur kurzer Dämmerung, leider nicht genug, um uns beim Ankern mit Strom zu versorgen und so muss der Diesel jeden 2. Tag für eine Stunde laufen, um die Batterien zu laden.

Unser einziger „richtiger“ Segeltag nutzte natürlich auch den Passat, um die rund 100 sm von Barbados nach St. Lucia flott zurückzulegen, Wir fuhren nachts, damit wir zu Bürozeiten auf St. Lucia einklarieren konnten.

Boot

Zum Segeln sind wir mit der Triton sehr zufrieden, aber jetzt musste sie sich als Wohnung bei warmen Wetter und mit fünf großen Personen bewähren. Wie sich herausstellt, haben die Kinder keine Stehhöhe mehr im Schiff… Zum ersten Mal benutzen wir die kleinen Seitenfenster für die Belüftung das klappt sehr gut. Auch mein 12V Ventilator ist unter Deck eine große Hilfe. Kochen oder Backen ist kontraproduktiv, weil dann die Triton in eine Sauna verwandelt wird. Ich habe jedenfalls noch nie außerhalb einer Sauna so geschwitzt…

An Deck helfen unser festes Dach, unser Bimini und unsere Sonnentücher um ausreichend Schatten zu erzeugen. Insgesamt wird es durch diese ganzen Konstruktionen aber sehr eng und voll auf dem Schiff.

Glücklicherweise haben wir keine ernsthaften Schäden auf der Atlantiküberquerung gehabt und so verschieben wir Wartungsarbeiten (Radar, Autopilot, Fenster) erst einmal, um Zeit mit der Familie zu verbringen.

Verpflegung/Versorgung

Wir haben an verschiedenen Stellen gelesen, dass es sehr sinnvoll ist, sich auf den Kanarischen Inseln mit allen verfügbaren Vorräten einzudecken. Und jetzt wissen wir auf warum. Auf den beiden Inseln, die wir bis jetzt besucht haben (Barbados, St. Lucia), werden die überwiegend importierten Lebensmittel mit Gold aufgewogen.

So wollten wir z.B. eine Dose Pfirsiche kaufen (zum Schokopudding): Preis 12 Barbados-Doller = 5 Euro). Zum Vergleich: unsere vorhandene hat weniger als 1 Euro gekostet. Natürlich erwarte ich hier keine Aldi-Preise, aber Faktor 5 wollen wir nicht bezahlen. Wir kaufen frische Lebensmittel auf dem Markt, wo es gefühlt unterschiedliche Preise für Einheimische und Touristen gibt, Fleisch beim Butcher-Boy, einem Tiefkühl-Metzger und Brot. Sonst behelfen wir uns überwiegend mit Bordmitteln. Auf St. Lucia sind die Lebensmittel etwas günstiger, aber mir ist nach wie vor ein Rätsel, wie die Einheimischen das bezahlen können.

Crew

Mein Weihnachtswunsch war dieses Jahr, dass wir Weihnachten in der Karibik mit allen Kindern verbringen können und zu meiner ganz großen Freude haben die vor vielen Monaten gemachten Pläne sehr gut funktioniert. Paul haben wir ja schon importiert, am 13. kam Jan aus Mexiko und am 19. dann Max aus Deutschland eingeflogen.

Wir mussten etwas umräumen und zusammenrücken, aber alle Kinder haben ja seit ihrer Zeit im Bauch fast jeden Sommer zumindest teilweise auf einem Schiff verbracht und so fallen wir schnell in den vertrauten Rhythmus. Bis zum 28. sind wir zu fünft an Bord (dann zog es Paul nach Hause zu Leonie und Diego) und es gibt viel zu erzählen, gemeinsame Mahlzeiten, spannende Kartenspiele und nette Familienausflüge.

Sightseeing

Bei meiner Planung hatte ich erst Bedenken, ob ca. 2,5 Wochen auf Barbados nicht zu langweilig wären, aber weit gefehlt. Die Zeit ging (wie eigentlich immer) unglaublich schnell herum und wir haben nur einen Teil der Insel erkunden können.

In der ersten Woche waren wir in Careenage Marina in Bridgetown, sind durch die Stadt gelaufen, haben am wunderbaren Strand in der Pirates Cove gebadet, uns mit dem Schiff beschäftigt und unser einziger Ausflug war zum Kino, um den neusten Star Wars Film anzusehen.

In der zweiten Woche hatten wir dann für drei Tage ein Auto und haben die Harrison’s Cave, St. Nicholas Abbey, eine Zuckerrohrplantage, auf der jetzt Rum hergestellt wird, und das Barbados Wildlife Reserve besichtigt. Wir waren auch an der rauen Ostküste und haben auch immer ein Plätzchen für einen Imbiss gefunden.

Alle Ausflüge haben mir gefallen, die Straßen sind gut befahrbar und die Angebote sind natürlich touristisch aber wirklich nett gemacht. Weil wir selbständig unterwegs waren, konnten wir uns Zeit nehmen und uns in Ruhe auf das jeweilige Ausflugsziel einlassen. Wie wir später gelesen haben, werden auf typischen Touren alle drei Ziele an einem Tag „abgearbeitet".

Mein absolutes Highlight war aber der Tag beim Pferderennen. Hier waren Touristen (einfach zu erkennen) in der absoluten Minderheit, die Getränke waren sehr günstig und die Stimmung einmalig. Wir ließen uns von der Aufregung und Begeisterung anstecken und haben auch den einen oder anderen Doller gewonnen (und wieder verloren).

Auch auf unserer zweiten Karibik-Insel, St. Lucia, hatten wir für zwei Tage ein Auto für die Inselerkundung. Hier ist die Qualität der wenigen Straßen schlecht, was das Fahren langwierig und anstrengend macht und die Orte sind entweder ärmlich und eher hässlich oder touristische Ghettos, schön gemacht, aber künstlich. Wir waren in Gros Islet, Rodney Bay, der Hauptstadt Castries, in Marigot Bay und in Soufrière. Lichtblicke fanden wir Zaka’s Art Café in Soufrière, das Schlammbad in den „Sulphur Springs“ und natürlich die Landschaft der wunderbaren grünen Vulkaninsel.

Begegnungen

An erster Stelle steht hier natürlich das Wiedersehen mit der Familie. Das Bordleben weckt viele schöne Erinnerungen an vergangene Urlaube und Auto-Ausflüge haben wir im Winterhalbjahr jeden Sonntag gemacht, solange die Kinder noch klein waren… Es war richtig schön für mich, wenn wir alle zusammen unterwegs waren und teilweise zu Max Musik gemeinsam gesungen haben (das war vielleicht nicht ganz so schön für Ralf…).

Unsere Atlantic Odyssey Gruppe lag hier gemeinsam in der Careenage Marina und jeder hatte natürlich Geschichten von der Atlantik-Überquerung zu erzählen. Es gab eine Abschiedsparty im Yachtclub, wir haben uns am Strand in der Pirates Cove getroffen (wo ich als „Shark“ die Kinder im Wasser gejagt habe) und ein Teil hat dann auch noch gemeinsam in der Carlisle Bay geankert.

Besonders nett war es, dass wir unsere Freunde von der NALA DANICA wiedergetroffen haben und einen Abend mit gemeinsamen Grillen am Strand verbringen konnten.

Die „Bajans“, wie sich die Einwohner von Barbados nennen haben wir ganz besonders freundlich und hilfsbereit empfunden. Jeder lächelt und grüßt, wir werden auf der Straße angesprochen und „einfach so“ in Gespräche verwickelt und Jan war sogar zu Weihnachten in eine Familie eingeladen. Besonders in Erinnerung bleiben: die Apfelverkäuferin, die Ralf warnte, nicht mit einem Stapel Geld herumzuwedeln, Anderson C. Miller, der uns zu Weihnachten in seine Kirche einlud und mir Besichtigungstipps gab, ein Offizieller der Rennbahn, der uns persönlich die Plätze zeigte (und einen richtigen Tipp fürs Rennen gab), die Dame, die uns bei der Auswahl des richtigen Busses half und eine andere, die uns ein Restaurant empfahl… wir haben uns sehr wohl und willkommen gefühlt.

Ganz anders ist die Situation auf St. Lucia. Ich erlebe die Menschen als höflich und professionell in den Touristen-Ghettos und außerhalb davon als gleichgültig oder sogar unterschwellig feindselig. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die dann ganz besonders herausstechen, wie den Verkäufer von Schüsseln und Hüten in Rodney Bay und die nette Familie in Zaka’s Café.

Fazit

Wieder ein ganz neuer Abschnitt mit vielen Begegnungen, Erlebnissen und Eindrücken. Es war ganz wunderbar, alle Kinder hier zu haben und ich denke, wir hatten zusammen eine sehr gute Zeit. Es gab viele Feiern: Abschiedsparty der Odyssey, Jans Geburtstag, Grillen am Strand mit den Freunden von der Nala Danica, Weihnachten… und wir haben viel gesehen und erlebt.

Ich war ja bisher kein so großer Fan von Ankern, aber das hat mir erstaunlich gut gefallen. Es ist wunderbar, einfach vom Boot aus schwimmen zu gehen und auch die Temperaturen sind auf dem Wasser viel angenehmer. Die Landemanöver mit dem Beiboot in der Brandung am Strand waren eher lustig, weil es die Möglichkeit, sich im Segelclub umzuziehen und zu duschen… 

Barbados war für mich ein toller Einstig in die Karibik, Menschen und Insel haben mich sehr angenehm überrascht. Ganz anders ist St. Lucia, dort habe ich eigentlich permanent ein schlechtes Gewissen, weil ich durch einen glücklichen Zufall in einem reichen und privilegierten Land geboren worden bin.

Ein Tischnachbar in der schicken Bar in Marigot Bay fragte mich, ob ich meinen Aufenthalt hier genießen würde. Ich habe dann ehrlich (und ungeschickt) geantwortet, dass es schwer ist, so etwas zu genießen, wenn wenige 100 m entfernt die Menschen in Armut leben. Er schlug mir dann vor, diese Menschen einfach zu ignorieren (und ignorierte dann anschließend mich)…

Jan hat von seiner Bekannten auf Barbados erfahren, dass die Kinder dort in der Schule lernen, nett zu Touristen zu sein… wenn ein Land Tourismus haben will und das die Haupteinnahmequelle ist sicherlich eine gute Idee… Es ist einfach netter, den Eindruck zu haben, ein willkommener Gast zu sein, als das Gefühl zu bekommen, nur Geldquelle und notwendiges Übel zu sein.

Vielleicht ist auf St. Lucia das Tourismus-Geschäft in der Hand von wenigen Betrieben und die Einnahmen kommen bei großen Teilen der Bevölkerung einfach nicht an?

Bisher also gemischte Gefühle aus der Karibik…

Tag 181 - St. Lucia: Kaffee und Schwefel

Wir sind noch einen Tag mit dem Auto unterwegs und heute wollen wir nach Soufrière weiter im Süden. Dort gibt die Wahrzeichen von St. Lucia, Gros Piton und Petit Piton, zwei erkaltete Vulkankerne direkt an der Küste. Heute ist es bedeckt und regnet immer mal wieder, so dass wir sie nur in Wolken sehen können.

Auf St. Lucia gibt es eine Straße an der Westküste, eine an der Ostküste und eine Verbindungsstraße. Luftlinie sind es 28 km zu unserem Ziel aber auf der gewundenen Straße werden daraus 53 km und Google Maps berechnet die Fahrtzeit mit mehr als 1,5 Stunden. Die Fahrt ist abwechslungsreich und führt wieder durch verschwenderisch grüne Landschaft und bergauf und bergab mit einem gelegentlichen Blick aufs Meer. Unser Auto ist alt aber diesmal ausreichend dimensioniert für die verkleinerte Familie.
Soufrière selbst ist erst einmal enttäuschend, und zunächst sieht es schlecht aus für unsere Idee, dort ein spätes Frühstück einzunehmen. Aber dann stoßen wir durch Zufall auf „Zaka’s Art Café“, das selbst bei dem trüben Wetter einen freundlichen Eindruck macht.
Wir haben uns nicht getäuscht: es ist ein Familienbetrieb, die Mutter kocht und auch die Kinder helfen mit. Wir bekommen Kaffee und heiße Schokolade aus eigener Herstellung, Smoothies und das draußen angekündigte Chicken Roti (die Familie hat indische Wurzeln). An den Wänden hängen zahlreiche bunte Masken und Vater und Sohn spielen auf der Gitarre.
Wir hätten auch einen kleinen Hund bekommen können, aber entscheiden uns dann doch, davon Abstand zu nehmen…
Wir fahren weiter zu den „Sulfur Springs“, einem Gebiet mit heißen Thermalquellen und Schwefelfumarolen (eine Stelle, an der in einem aktiven Gebiet vulkanische Gase austreten). Das Kombiticket ist mit 12,10 US-Dollar vergleichsweise günstig und wir bekommen zunächst eine individuelle Führung zum aktiven Feld. Je nach Windrichtung riecht es intensiv nach faulen Eiern, Dämpfe steigen auf und in Löchern blubbert dunkelgrauer Schlamm.
Dann wollen wir den Schlamm auch selbst ausprobieren, insbesondere weil ein Bad und eine Schlammpackung hilfreich gegen Rheuma sein sollen und jeder, der aus dem Bad kommt gleich 10 Jahre jünger aussieht (Quelle: Parkmitarbeiter). Gesagt getan: nach Studium der Baderegeln stürzen wir uns in die Fluten, oder lassen uns eher langsam hineingleiten, denn das Wasser hat die Temperatur einer heißen Badewanne. Es gibt ein Peeling mit mineralischem Schlamm und dann liegen wir noch eine Weile im Wasser und entspannen.
Bei den ganzen Verboten stand nicht, dass es verboten ist, einen Staudamm zu bilden, indem man sich vor den Abfluss setzt, bis das ganze Becken überläuft, also haben Ralf und Max das dann gleich ausprobiert…
…es war auch nicht erwähnt, dass man sich nicht kopfüber in den Abfluss stürzen sollte, also hat Max auch das noch getan (keine Angst, Jan hatte seine Füße fest im Griff).
Heute hatten wir ein wesentlich besseres Gefühl bei unseren Unternehmungen als gestern. Das Café war freundlich, individuell und ganz offensichtlich erfolgreich und auch die Sulphur Springs waren nett gemacht und haben uns gut gefallen.

Nun bleibt uns noch, allen ein gesundes, glückliches, erfolgreiches neues Jahr zu wünschen – mögen eure Wünsche und Pläne in Erfüllung gehen!

Samstag, 30. Dezember 2017

Tag 180 - St. Lucia: Kontrastprogramm

Auch auf St. Lucia wollen wir die Insel mit einem Auto erkunden und so führt uns unser Weg zunächst in die Hauptstadt Castries, wo es samstags morgens einen Markt geben soll. Beim Autofahren kann leicht der Eindruck entstehen, dass hier die Verkehrsregeln eher Vorschläge sind, z.B. werden Personen – gerne auch im Stehen – auf der Ladefläche von Pick-Ups transportiert. Aber weit gefehlt, in Castries wird der Verkehr ganz offiziell geregelt.
Mitten in der Stadt liegen die Kreuzfahrtschiffe und überragen die niedrigen Häuser um mehrere Stockwerke. Natürlich gibt es daher auch viele Duty Free Läden für uns Touristen.
Auf dem Markt selbst gibt es überdachte Hallen, in denen in kleinen Ständen im wesentlichen die immer gleichen Kleidungsstücke (Made in India) und Andenken verkauft werden und auf der Straße eher Second Hand Läden (leider war Jan das Hemd zu klein)…
…und Lebensmittelstände, die eine recht große Auswahl von frischen Produkten anbieten.
Hier wurde sogar ein ganzer Laden nach Max benannt, der dann später auch noch eine sehr coole Sonnenbrille bekam.
Die Stadt selbst ist mehrfach abgebrannt und daher existieren nur noch wenige historische Gebäude. Vor der City Hall steht ein Denkmal des ersten Premierministers, Sir John George Melvin Compton und in der Nähe wurde ein Platz wurde nach einem der zwei Nobelpreisträger aus St. Lucia, Sir Derek Alton Walcott, benannt der 1992 den Nobelpreis für Literatur erhielt. (Der andere Nobelpreisträger ist Sir William Arthur Lewis, der 1979 den Preis für Wirtschaftswissenschaften erhielt.)
Wir wollen noch zu einem Aussichtspunkt über der Stadt, den es aber noch nicht einmal in Google Maps gibt. Wir fahren trotzdem auf den Berg, aber die Aussicht wird etwas von einem kurzen, aber heftigen Regen beeinträchtigt.
Weiter geht es zur Marigot Bay, einer sehr geschützten Bucht, die sehenswert sein soll. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch die wunderschöne grüne Landschaft. Regen und fruchtbarer Vulkanboden sorgen für eine abwechslungsreiche Vegetation. Die von Menschen gestalteten Teile im Inneren der Insel sind eher deprimierend. Am Straßenrand liegt eine Menge Abfall und wir sehen viele Autowracks, die ohne Räder vor sich hinrosten. Die Häuser sind teilweise in sehr schlechtem Zustand – offensichtlich fehlt das Geld für die Instandhaltung.
Marigot Bay ist dann wieder ein Touristen-Resort, in dem viele Boote und diverse Superyachten liegen. Es gibt hochelegante Bars, schicke Restaurants und von Architekten gestaltete Wohlfühl-Oasen.
Auf dem Rückweg können wir noch einmal zurück auf die Bucht blicken, bevor wir dann noch für die nächsten Tage einkaufen gehen.
Insgesamt ein Tag mit großen Kontrasten: In den Geschäften eiskalte Klimaanlagen, draußen feuchte Hitze, die sich natürlich dann anfühlt, als würde man gegen eine warme Wand laufen. Eine reiche, grüne wunderschöne Landschaft und dann ungepflegte Gebäude, verlassene Autos und viel Müll. Ärmliche Häuser mit Bewohnern die uns – sehr verständlicherweise – unfreundlich mustern und noch nicht mal einen Kilometer weiter teuerste Superyachten, wo sicher das Beiboot mehr kostet, als ein Bewohner hier im Jahr verdient.

Auf Barbados habe ich die Menschen freundlich, offen, interessiert und mit einer „we take it easy on Mondays“ Einstellung erlebt. Ich hatte das Gefühl, einfach normal und auf Augenhöhe mit ihnen sprechen zu können und wir hatten viele spontane, nette Unterhaltungen mit Fremden. Der Hafen war mitten in der Stadt, nach allen Seiten offen und mitten im Leben. Mein Eindruck war: die Menschen sind zufrieden mit ihrem Leben und – mit Recht – stolz auf ihre schöne Insel.

Unsere Marina hier ist abgeschlossen und hat ein Tor mit Code und Wachmann. Zusätzlich ist auch noch das ganze Gelände mit Zaun und weiteren Wachleuten gesichert. Mir fehlt im Gesamteindruck diese Leichtigkeit und Freundlichkeit der Menschen und ich komme mir mehr vor, wie ein notwendiges Übel, das halt in Kauf genommen werden muss, um Geld zu verdienen. Vielleicht ist der Unterschied zwischen arm und reich einfach zu groß und ich fühle mich nicht gut dabei, so offensichtlich einer so privilegierten Gruppe anzugehören.

Wir diskutieren, bisher ohne Ergebnis, den Nutzen und Schaden von Tourismus und ob es der Insel besser oder schlechter ginge, wenn die Touristen nicht mehr kommen würden. Laut Wikipedia ist der Tourismus mit über 50% der größte Wirtschaftszweig der Insel (an zweiter Stelle steht der Export von Bananen, Mehl und Reis).

Zurück auf der Triton lösen Max und Jan statt Ethikfragen über Tourismus dann lieber im Vergleich einfachere Schachprobleme und wir lassen den Tag entspannt an Bord ausklingen.

Freitag, 29. Dezember 2017

Tag 179 - Atlantik-Rodney Bay (St. Lucia): Jump Up in Gros Islet

Wir fahren so schnell durch die Nacht, dass wir schon um 7:30 Uhr in der Rodney Bay Marina festmachen. Wir haben für die rund 104 sm nur 15,5 Stunden gebraucht. St. Lucia ist wieder eine Vulkaninsel und schon in der Nacht können wir die Lichter erkennen. Später geht dann die Sonne hinter den eindrucksvollen Bergen auf.
Die Bucht ist sehr geschützt und Jan steuert die Triton durch die vielen Ankerlieger.
Darunter ist auch die „Wind Surf“, einer der größten Motorsegler der Welt.
Hier ist der Zielhafen der „Atlantic Ralley for Cruisers“ die einen Tag nach uns von Gran Canaria aus gestartet sind. Entsprechend kommen im Dezember dann 250 Schiffe hier an. Daher ist das hier absolut professionell organisiert und die Marina ist voll ausgestattet. Zum ersten Mal seit Teneriffa haben wieder Waschräume im Hafen und zum ersten Mal seit ich weiß nicht wann gibt es ein (langsames) Wi-Fi. Um den Hafen herum gibt es jede Menge Restaurants und Geschäfte und daneben auch immer wieder Einzelkämpfer, die ihre Ware an den Mann bringen wollen.
Ralf geht zum Einklarieren (was wirklich durch die Erfassung in www.sailclear.com schneller geht) und wir alle holen Schlaf nach. Eine Nacht auf See ist wirklich anstrengender als drei oder mehr, weil wir noch nicht den richtigen Rhythmus finden konnten. Nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen an Land und abends wollen wir nach Gros Islet zum „Jump Up“, einer Street Party, die jeden Freitag stattfindet. Auf dem Weg dahin laufen wir durch wenig vertrauenerweckende Gegenden…
…aber schließlich finden wir die richtige Straße. Überall werden Rum Punch und andere Getränke angeboten und auf den zu Grills umgebauten aufgeschnittenen Ölfässern liegen Chicken, Fish, Shrimp und Lobster. Dazwischen sind jede Menge Hunde und einige Katzen unterwegs und aus großen Lautsprechern kommt Musik. Wir suchen uns einen Laden mit Sitzplätzen, aber gerade, als wir uns hinsetzen wollen, stellt sich heraus, dass schon andere Gäste auf diesen Platz gewartet haben.
Wir nehmen das als Zeichen, lieber im Hafengebiet ein Pizza essen zu gehen – wie sich herausstellt eine gute Entscheidung. Zwar müssen wir einige Zeit warten, aber das Pizza ist lecker und so reichlich, dass wir zusammen ein ganzes Pizza mit aufs Boot nehmen können.

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Tag 178 - Carlisle Bay-Atlantik: Auf zu neuen Ufern!

Heute ist es soweit, nach mehr als zwei Monaten geht Paul von Bord. Von Gran Canaria über Teneriffa bis nach Barbados ist er rund 2800 sm mit uns gesegelt und es war eine Freude und große Hilfe, ihn dabei zu haben! Vormittags mache ich mal wieder Boat-Office und drucke Pauls Bordkarte und diverse Unterlagen aus, die er unterschrieben mitnehmen soll. Außerdem mache ich die Anmeldung im Sailclear-System fertig, dass uns auf vielen karibischen Inseln die Formalitäten erleichtern soll.
Wir holen noch die Wäsche ab und machen die Abrechnung im Yachtclub, wo wir nur mit Kreditkarte bezahlen können. Dann muss das Boot nach so langer Zeit in der Marina und vor Anker wieder segelfertig gemacht werden. Insbesondere muss das Beiboot auf Deck gestaut und befestigt werden, alle Luken zu, alle beweglichen Teile sichern etc. Die Navigation habe ich gestern schon erledigt und es sind etwas über 100 sm zur Rodney Bay auf St. Lucia.

Wir fahren um 16:00 Uhr los, damit wir dann im Laufe des Freitags zu Bürozeiten in St. Lucia eintreffen. Der Passat weht kräftig aus Ost-Nord-Ost und fahren Richtung Nordwesten, also ist es ein Kurs Wind von der Seite, da ist die Triton schnell unterwegs. Mir wir klar, dass wir den südlichsten Punkt unserer Reise hinter uns haben und dass es ab jetzt wieder nach Norden geht. Ralf kocht Abendessen in der Landabdeckung von Barbados und wir haben zwei Reffs im Groß und je nach Schauerboen auch eines in der Fock. Für Jan und Max ist es der erste Segeltag und ich denke, sie haben Spaß.
Spoiler: Wir sind alle gut angekommen, Paul in Frankfurt, wir in St. Lucia, aber davon morgen mehr.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Tag 177 - Barbados: Abschiedsessen

Ein Abschnitt geht zu Ende, denn Morgen fliegt Paul zurück nach Deutschland und wir anderen wollen Barbados Richtung St. Lucia verlassen. Daher müssen Ralf, Jan und Max zum Ausklarieren, was mit Hilfe von unserem Agenten Terry gut klappt. Die drei sind mit dem Beiboot unterwegs und bringen auch noch ein paar Lebensmittel mit. Außerdem wird noch eine große Tasche Wäsche an Land gebracht.

Auch die Touristenboote sind wieder unterwegs (kein Wunder, drei Kreuzfahrtschiffe) und setzten ihre Passagiere wieder an der Schildkrötenstelle aus. Jan und Paul schwimmen ebenfalls hin…
…und Paul gelingt sogar ein entsprechendes Bild.
Während die Herren unterwegs sind, kümmere ich mich um die Navigation und die Einreisebestimmungen für St. Lucia. Von der MARIPOSA haben wir den Tipp bekommen uns vorher auf www.sailclear.com zu registrieren um das Einklarieren dort zu vereinfachen. Außerdem müssen wir rechtzeitig hier weg, um noch zu Bürozeiten auf St. Lucia anzukommen, damit wir keinen Aufpreis zahlen müssen.

So gegen 17:00 Uhr beginnen wir, und für den Abend fertig zu machen. Das bedeutet, Schuhe und Kleidung wasserdicht verpacken und in zwei Transporten mit dem Beiboot an Land zu fahren. Heute ist Schwell und dadurch recht heftige Brandung, so dass das eine ziemlich sportliche Aktion ist. Wir kommen alle gut an Land, gehen in die Maske und denke auch daran, die Taschen im Boot zu lassen, denn bis wir daheim sind, ist der Club zu.

Dann nutzen wir einen ZR-Bus (ausgesprochen „Sedar“, also die Buchstaben einzeln auf Englisch) um für Pauls Abschiedsessen nach Oistin zur „Fish Fry“ zu fahren. ZRs sind kleine weiße Vans, die auf den Busrouten fahren und jeden mitnehmen, der die Hand heraushält. Die Fahrt kostet pauschal 2 Barbados-Dollar und dafür bekommen wir einiges geboten. Der Bus ist sehr voll und ich sitze auf dem Notsitz vorne in der Mitte zwischen Fahrer und Beifahrer. Der Beifahrer hat ziemlich unappetitliche persönliche Angewohnheiten (ich überlege, ob ich ihm ein Taschentuch anbieten soll…) und der Fahrer fährt nach dem System „lieber hupen als bremsen“ und ist nebenbei noch mit telefonieren und texten auf seinem Handy beschäftigt…
Wir kommen aber trotzdem gut in Oistin an und gehen zu „Uncle George“, den uns eine nette Irin im Yachtclub empfohlen hatte. Dort fragen wir nach Joy-Ann und sie ist tatsächlich da und begrüßt uns mit Handaschlag. Wir essen ganz ausgezeichneten Fisch: Marlin, Schwertfisch und Lachs mit diversen leckeren Beilagen...
Danach geht es – wieder mit einem ZR – nochmal zu unserem Lieblings-Eisladen „Chilly Moo’s Ice Cream Treatery“ und dann zurück zum Yachtclub. Wieder umziehen in Badekleidung, durch die Brandung und mit dem Beiboot zur Triton. Wir lassen unseren letzten Abend in voller Besetzung mit einem Kartenspiel ausklingen.

Dienstag, 26. Dezember 2017

Tag 176 - Barbados: Ein Tag beim Rennen

Ich bin seit Jahren ein großer Fan des englischen Autors Dick Francis. Er war sehr erfolgreicher Jockey, später Reporter und dann ebenfalls sehr erfolgreicher Autor von Krimis, die im Rennsportmilieu spielen. Schon vor 22 Jahren haben ich Ralf in England zum Pferderennen geschleppt. Als ich gelesen habe, dass es hier eine Rennbahn gibt, wollte ich da natürlich gerne hin. Es gibt sogar einen Krimi von Felix Francis (dem Sohn von Dick, der nach dessen Tod vergleichbare Krimis schreibt), der teilweise in der Karibik spielt: Front Runner (ist allerdings keiner von den richtig guten).

Jedenfalls habe ich auch diesmal meine Familie genötigt, zum Pferderennen zu gehen und – was soll ich sagen – alle waren begeistert. Wir hatte gute Plätze auf der Tribüne im Schatten mit direktem Blick auf die Ziellinie. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und ich würde mal sagen, überwiegend Einheimische. Es gab Stände mit Essen und Getränken (erstaunlich günstig) und die Stimmung war großartig.
Genau wie in den Büchern beschrieben werden die Pferde erst einmal im Führring vorgestellt.
Dazu gibt es die „Trainer-Besitzer-Jockey“ Grüppchen, wo die Renntaktik nochmal kurz besprochen wird…
…bevor die Jockeys dann aufsitzen und zum Start reiten.
Die Rennen selbst (heute 10 Stück) sind zwischen 1000 und 2000 m lang und dauern weniger als zwei Minuten. Begleitet von einem Kommentator geht das Publikum begeistert mit. Beim Zieleinlauf springen alle von den Sitzen und feuern ihre jeweiligen Favoriten lautstark an.
Dann werden die Sieger wieder mit Trainern und Besitzern vereint…
…und die glücklichen Eigner erhalten einen Pokal.
Die erfolglosen Jockeys müssen ihren Trainern erklären, warum das Pferd dieses Mal nicht gewonnen hat.
Zwischen den Rennen treten dann Helfer an, um den Boden wieder in Ordnung zu bringen.
Besonders nett finde ich, dass es auch möglich ist, hinter die Kulissen zu schauen. Die Pferde kommen aus dem Stall auf der anderen Straßenseite auf den Rennplatz…
…werden dort gesattelt…
…und nach den Rennen mit einem Bad erfrischt und trockengeführt.
Natürlich ist es besonders spannend, wenn auch gewettet wird. Wir haben intensiv die Formbücher studiert, Preisgelder und Rundenzeiten verglichen oder – wie ich – die nettesten Namen und die buntesten Hemden ausgesucht und immer ein paar Dollar eingesetzt.
Gleich unsere erste „Familien-Wette“ (jeder hat was dazugegeben) auf das uns beim Kartenkauf empfohlene Pferd „Inspired Adventure“ (so ein schöner Name!) war erfolgreich!
Ein glückliches Händchen hatten Paul und ganz besonders Jan, der über 200 Barbados-Doller Gewinn mit seinen Wetten machte.
Wieder ein sehr abwechslungsreiches, kurzweiliges und anregendes Erlebnis!